DJ Phono

germany

 

Wir hatten die Ehre DJ Phono (bekannt aus der Band Deichkind) vor seinem Auftritt auf dem Immergut Festival 2016 zu treffen und mit ihm eine ganze Weile zu plaudern. Zu viel wollen wir uber diesen durchaus sympathischen Hanseaten gar nicht vorwegnehmen, lest lieber selbst was hinter seinem Künstlernamen steckt, was ihn zur Musik gebracht hat und was er über Deichkind so alles aus dem Nähkästchen geplaudert hat.


Hey Phono, stell dich unseren Lesern zum Einstieg einfach mal vor …
DJ PHONO (P) : Ja hallo. Ich bin Dj Phono, komme gebürtig aus Rendsburg, einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein und wohne in Hamburg und Berlin. Ansonsten bin ich seit vielen Jahren Künstler, Mitglied der Gruppe Deichkind und vor allen Dingen im musikalischen Bereich tätig .

Wie kamst du auf deinen Künstlernamen  „DJ PHONO“?
P : Ich bin mittlerweile seit 24 Jahren Dj. Als ich damals mit 14 angefangen habe, war ich Hiphop Dj und im Hiphop spielte der Name zu dieser Zeit eine große Rolle. Das war so in etwa die Zeit in der Afrika Bambaata die Zulu Nation gründete. Die Idee dahinter war es, die Elemente die Hiphop später ausmachen sollten, aber damals noch nicht wirklich zusammen gehörten, also Breakdance, Graffiti, Rap und Dj´s zusammenzuführen. Es ging um Respekt und nicht um das Konsumieren. So kam es auch dazu, dass wir damals anfingen die Marken an Klamotten wegzumachen und unsere eigenen Namen draufschrieben. Das war so etwas wie das Aneignen einer eigenen Identität. Und dabei zu produzieren, anstatt zu konsumieren. Das war auch mein Spirit mit 14, in welchem ich viele Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung gesehen habe. Naja und wie das dann so ist, habe auch ich wochenlang überlegt, wie ich mich nennen soll. Damals gab es an den Mischpulten immer diesen Schalter für „PHONO“ und „LINE“ und so weiter und ich dachte mir einfach – DAS IST EIN GENIALER NAME! ( lacht ) Und jetzt 24 Jahre später ist es immer noch der Name…

djphonowebSouverän durchgezogen würden wir sagen…
P: Ja, in dem Bereich der elektronischen Musik in dem ich bin, heißt kaum noch jemand „Dj -„.  Ich bin einer der wenigen, bei denen noch Dj davor steht. Da komme ich mir manchmal schon fast ein wenig antiquarisch vor.

Du sagst deine Anfänge sind im Hiphop. Heute ist es die elektronische Musik. Wo war für dich der Übergang vom Einen zum Anderen?
P: Das ist relativ einfach zu bemessen. Ich bin irgendwann nach Hamburg gezogen und davor war Techno noch gar nicht existent für mich . Bis zu diesem Zeitpunkt war elektronische Musik für mich dieses ganze Eurotrash-Dance-Zeug, was Anfang der 90er auf Viva lief und ich mit 17-18 erstmal kategorisch ablehnte. In Hamburg bin ich dann in Berührung mit Szene gekommen. Das war erstmal was total neues für mich, was mich neugierig gestimmt hat . Zu dieser Zeit war French House ziemlich aktuell. Daft Punk haben ihre neue Platte released und im Grunde haben sie von den gleichen Funk und Soul Scheiben gesampled, wie wir Hiphop Dj´s. Nur etwas schneller und mir hat es gefallen. Dann kamen die ersten Besuche im Goldenen Pudel in Hamburg, wo ich mir einfach nur dachte – „Krass was ist das denn?!“  Und ich habe festgestellt, dass diese Richtung mehr zu bieten hatte, als erwartet. Das war letztendlich der Punkt an dem ich vom Hiphop zur elektronischen Musik gekommen bin.

Mit was für Musik bist du in deiner Kindheit und Jugend in Berührung gekommen?
P:  Ich war sehr geprägt durch meine große Schwester . von ihr hab ich damals Sachen wie Michael Jackson, Tina Turner, Joe Cocker uvm. mitbekommen und damals noch auf Kassette rauf und runter gehört. Die erste Band, für die ich mich damals ganz bewusst und ohne den Einfluss meiner Schwester entschieden habe, war Queen . Mit Mc Hammer und Vanilla Ice ging es dann in die Richtung Hiphop. Gleichzeitig kamen aber auch Die Toten Hosen auf, weil ich damals viel mit den Punks und Linken unterwegs war. Naja und mit 14-15 waren es dann Ice Cube, Ice T, Grandmaster Flash und alles außer Hiphop wurde erstmal uninteressant.

Inwieweit wird deine Arbeit durch andere Künstler beeinflusst?
P: Ich komme aus dem Bereich der Bildenden Kunst. Ein großer Teil meines Freundeskreises besteht aus Künstlern und insbesondere im Bereich der Bildenden Künste, nimmt vieles Bezug auf das, was vorher war. Ich schaue mir sehr viel an, was andere Künstler machen. Ich gehe in Museen, schaue mir viele Ausstellungen an, überall wo ich so bin und versuche eigentlich immer so viel mitzunehmen, wie nur möglich. Musikalisch muss man sich natürlich immer durch eine Menge Schrott hören, um an die wirklich interessanten Dinge zu gelangen, aber natürlich höre auch ich immer wieder gern neue Musik und entdecke auch in diesem Bereich viel Inspiration. Allerdings habe ich meistens wenig Zeit und bin daher nicht der Typ, der sich irgendwelche Musikzeitschriften holt, um ständig auf dem neusten Stand zu sein.

Was war die letzte Scheibe die du dir zugelegt hast?
P: Das letzte Album was ich mir direkt gekauft habe, ohne es vorher gehört zu haben, war die neue Platte von Radiohead.

Wenn du die Möglichkeit hättest, in einem anderen Jahrzehnt zu leben, welches wäre es?
P: Ich würde sagen, dass ich in der jetzigen Zeit recht zufrieden und angekommen bin. Alles was in der Vergangenheit war, aus Musik etc., ist ja auch heute noch verfügbar. Da würde ich mir eher denken, was ich heute alles verpassen könnte, wenn ich in der Vergangenheit leben würde –  würde ich vermutlich die Musik verpassen, die morgen kommt  …

Was bedeutet Mode für dich ?
P: Ich würde der Mode an sich nicht die größte Bedeutung zusprechen. Ich wähle die Sachen die ich trage durchaus bewusst aus, allerdings nicht um einen bestimmten Stil, oder eine bestimmte Art von Ausdruck zu vermitteln, sondern viel mehr, um mit der Welt in Resonanz zu treten. Ob das angesagt, in einem Katalog, oder teuer ist spielt dabei keine Rolle für mich. Mein primäres Ausdrucksmittel ist in jedem Fall die Musik. Die Mode spielt da einfach eine untergeordnete Rolle. Im Rahmen der Selbstinszenierung,wie bei Deichkind, spielen die Outfits natürlich schon eine wichtige Rolle.

djphono-5webInwieweit wirst du in deinem Kleidungsstil beeinflusst?
P: Also ich würde schon sagen, dass ich bis zu einem gewissen Grad, ein Freund klassischer Herrenmode bin.  Ich trage fast nur Oberhemden und habe z.B. noch nie eine Jeans besessen.

Besitzt du ein Teil in deinem Kleiderschrank, von dem du sagen würdest, dass es unverzichtbar für dich ist?
P:  Nein. Ich würde sagen, dass ich schon eine gewisse Beziehung zu manchen Teilen habe, insbesondere aufgrund der Geschichten mit denen ich diese verbinde .Ich habe z.B. einen alten Wollpulli von meinem Vater, welchen ich schon sehr gerne mag. Den habe ich damals mit ihm getauscht. Auf unserer letzten Deichkind Tour habe ich den wieder sehr viel getragen. Als ich ihn danach gesucht habe, bekam ich dann doch ein wenig Panik und habe sofort eine Nachricht an alle geschrieben, ob ihn jemand gefunden habe. Da hab ich auf jeden Fall gemerkt – den hätte ich vermisst!  Da gibt es auf jeden Fall andere Klamotten, deren Verlust mir weniger bedeuten würde. Der Kleiderschrank meines Vaters war damals aber generell ein toller Fundus für mich.

Was packst du in deinen Koffer wenn es auf Tour geht?
P:  Da lese ich euch am besten mal meine Checkliste vor:

DOKUMENTE :
-Reisepass
-Führerschein (international)
-EC / Kreditkarten
-Rider / Hotelinfo
-Bargeld ( jeweilige Währung)
KLAMOTTEN :
-Unterhosen
-Tshirts
-Socken
-Pullover
-Jacke
-Hose ( lang/kurz )
-Badehose
-Flipflops
-Sportschuhe
-normale Schuhe
-Sandalen
-Sonnenhut
-Regenstuff
– Schal / Tuch
– Mütze ? – Je nach Jahreszeit !
DIVERSES:
-Kulturbeutel
-Sonnencreme
-Sonnenbrille
-Reiseführer
-Kamera
-Stromadapter (international)
-Bücher
-Ladegeräte (iPhone,iPad,Laptop)
-Dj Beutel  – Seeehr wichtig ! Da ist mein USB-Stick und der Kopfhörer drin .
-Gehörschutzstöpsel
-Kissen ? Besonders im Bus super wichtig !
-Schlafmaske
-Taschentücher
-Medikamente
Wow, das ist ja mal wirklich sehr gut organisiert!
P: Ja, das macht wirklich Vieles einfacher für mich.

Wie sieht es mit Neuigkeiten bei Deichkind aus? Kannst du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, inwieweit was Neues geplant ist?
P: Naja, wir sind aktuell mitten in der Festivalsaison 2016 und ich denke, dass wir auch 2017 ein paar Festivals bespielen werden. Dieses Jahr sind es 10 Festivals. Es ist die zweite Saison mit dem letztem Album. Das wird dann im nächsten Jahr vermutlich langsam ausklingen, mit 3-4 Festivals. Danach werden wir ein Jahr Pause machen und dann wird es irgendwann ein neues Album geben. Wir haben bisher ca. alle 3 Jahre ein neues Album released. Ich denke dieses Mal wird es ein wenig länger dauern.

Also braucht ihr nach der ganzen Zeit auf Tour auch mal eine etwas längere Pause ja?
P: Ja , ich hab das so ein bisschen eingefordert für mich, weil ich die letzten 7 Jahre durchgearbeitet habe und speziell das Entwickeln der Bühnenshow, immer sehr aufwendig ist.Ich denke das wir zum nächsten Album eine komplett neue Bühnenshow konzipieren werden, was bedeuten würde, dass ich jetzt sofort damit anfangen müsste, damit es 2018 eine neue Bühnenshow gibt. Aber ich brauche auch mal einen Moment für mich zum durchatmen, was nur durch eine kleine Pause möglich ist. Vielleicht auch mal wieder solo als Dj Phone was releasen, was die letzten 6 Jahre zeitlich unmöglich war für mich . Reisen, inspirieren lassen. Als Künstler will man sich auch nicht wiederholen, was voraussetzt, dass man neue Inspiration und Ideen findet. Wir haben eine tolle Bühnenshow, die wir noch dieses und kommendes Jahr präsentieren werden. Was das nächste Album angeht, setzen wir uns jetzt noch nicht unter Druck. Erstmal kommt der Sommer 2016, mit all seinen Festivals, auf die wir uns schon riesig freuen.


Vielen Dank für das tolle Interview Dj Phono!

Wenn ihr DJ Phono live sehen wollt, habt ihr dazu auf einigen Festivals dieses Jahr die Chance, z.B. auf dem Melt! Festival. Tickets dafür bekommt ihr auf http://www.meltfestival.de

Stay tuned…

xx Jules & Christian

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